Dystonien

Es kann jeden Teil des Körpers treffen

Von Gabriele Hellwig · 2014

Injektionen mit Botulinumtoxin Typ A reduzieren die unwillkürlichen Muskelkontraktionen

Sie ist die dritthäufigste neurologische Bewegungsstörung nach Parkinson und dem erblich bedingten Zittern – die Dystonie. In Deutschland sind nach aktuellen Schätzungen zwischen 80.000 und 160.000 Menschen vom Krankheitsbild Dystonie betroffen. Jede einzelne Form gilt für sich genommen als Seltene Erkrankung.

Der Hals wird immer wieder krampfhaft zur Seite geneigt, die Hände zittern oder die Augen zwinkern unkontrollierbar – dies sind mögliche Symptome der Dystonie. Bei der Dystonie handelt es sich um eine Bewegungsstörung, die sich durch die unwillkürliche Kontraktion von Muskeln äußert, was mitunter zu bizarren Haltungen und Fehlstellungen einzelner Körperteile führt. Im Gegensatz zu einem gewöhnlichen Muskelkrampf hält die krankhafte Anspannung viel länger an und hat außerdem eine völlig andere Ursache. Bei stark ausgeprägten Formen einer Dystonie klagen die Patienten meistens auch über Schmerzen. Aufgrund der andauernden Fehlstellungen treten Folgeerkrankungen wie Gelenkschädigungen und Bewegungseinschränkungen auf. Als mögliche Ursachen der Erkrankung kommen zum Beispiel ein Schleudertrauma, eine Genmutation oder eine langjährige Medikamenteneinnahme als Auslöser infrage. Mediziner unterscheiden mehrere Formen der Dystonie, je nachdem, welche und wie viele Körperbereiche betroffen sind. Bei der sogenannten fokalen Dystonie ist jeweils ein einzelner, abgegrenzter Bereich des Körpers betroffen. Dazu gehören Schiefhals (Torticollis spasmodicus), Lidkrampf (Blepharospasmus), Mund-, Zungen-, Schlundkrampf (Oromandibuläre Dystonie), Stimmbandkrampf (spasmodische Dysphonie) und Schreibkrampf (Gliederdystonie).

Sichere Diagnose nur beim Neurologen

Beim Blepharospasmus beispielsweise handelt es sich um einen beidseitigen Lidkrampf, der von den Betroffenen nicht willkürlich zu beeinflussen ist und mit einer großen muskulären Anspannung einhergeht. Die Oromandibuläre Dystonie hingegen, beschreibt als Überbegriff dystone Bewegungen der Kau-und Zungenmuskulatur, sowie Bewegungsstörungen der unteren Gesichtshälfte. Treffen diese beiden Symptomenkomplexe aufeinander, handelt es sich um das sogenannte Meige-Syndrom. Ähnlich wie bei der Sewaga-Dystonie handelt es sich dabei um eine Seltene Erkrankung, die den Patienten nicht nur körperlich das Leben schwer macht. Wie eine aktuelle Umfrage im Auftrag im Auftrag der Stiftung für medizinische Dystonie-Forschung zeigt: Nahezu die Hälfte aller Betroffenen mit Dystonie gibt an, dass sich die Krankheit negativ auf ihr Leben ausgewirkt hat. Wie bei vielen chronischen Krankheiten, die mit körperlichen Beeinträchtigungen einhergehen, glauben die Betroffenen, dass ihre Familien und Freunde verärgert oder beschämt sind oder sogar ablehnend auf ihren Zustand reagieren.

Die Dystonie ist auch in medizinischen Kreisen noch immer relativ unbekannt. Aktuell gibt es keine Tests, die die Diagnose vereinfachen können. Neurologen können dieses Krankheitsbild meist recht schnell diagnostizieren, Hausärzten hingegen fehlt häufig die Erfahrung mit den „Seltenen“. Bei Dystonie gibt es mehrere Behandlungsmöglichkeiten, die einzeln oder in Kombination eingesetzt werden können. Oft verschreibt der Arzt spezielle Tabletten zur Beruhigung des Muskeltonus. Bewährt haben sich bei Dystonie vor allem Injektionen mit Botulinumtoxin Typ A. Damit können die unwillkürlichen Muskelkontraktionen für einige Monate reduziert werden. Dann muss die Therapie wiederholt werden. Helfen diese Maßnahmen nicht, kann eine Operation eine Alternative sein. Dabei werden diejenigen Nervenbahnen, die die Störungen hervorrufen, unterbrochen. Schwierig ist es, wenn Patienten vom Hausarzt oder auf psychische Faktoren behandelt werden, oder ein Orthopäde zum Beispiel Muskelverspannungen behandelt. Hier kann es eher zur Fehldiagnose kommen, weil das Krankheitsbild (einer Seltenen Erkrankung) nicht präsent ist.

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