Anästhesie

Leicht zu übersehen

Von Helge Denker · 2014

Ein Problem bei Patienten mit Seltenen Erkrankungen ist, dass Anästhetika bei Operationen unerwünschte Nebenwirkungen auslösen können. In einigen Fällen verschlimmert sich dadurch sogar das Krankheitsbild. Doch immer mehr Anästhesisten wissen, wie sie sich auf diese Art von Patienten einstellen müssen.

Professor Dr. Peter Tonner, Chefarzt am Klinikum Links der Weser in Bremen und von Haus aus Anästhesist und Intensivmediziner, warnt: „Seltene Erkrankungen werden schnell übersehen” Wichtig sei es bei einer Operation, dass die Anästhesie darauf achte, dass die Atemwege des Patienten frei bleiben, was zum Beispiel bei Missbildungen im Gesicht problematisch sein kann. Auch sei es wichtig, einen Patienten mit einer Seltenen Erkrankung zu fragen, welche Medikamente er einnimmt, um unerwünschte Wechselwirkungen ausschließen zu können. Oft werden bestimmte Arzneimittel für die Narkose von Patienten nicht vertragen, sodass andere eingesetzt werden müssen.

Bei der sogenannten Malignen Hyperthermie zum Beispiel reagiert der Patient auf ein bestimmtes Narkosemittel mit einem erhöhten Stoffwechsel sowie mit Fieber. Gleichzeitig wird der Körper nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt und es besteht Lebensgefahr. Doch dagegen gibt es ein sehr gutes Medikament. „Das weiß heute jeder Anästhesist”, so Tonner, der mit zwei Co-Autoren ein medizinisches Fachbuch über „Anästhesie und Begleiterkrankungen” verfasst hat. Diese Seltene Erkrankung kann einerseits von den Eltern vererbt werden, sie kann andererseits auch im Mutterleib durch eine Mutation entstehen. Der Arzt kann die Erbform der Krankheit bei der Anamnese feststellen, indem er nachfragt, ob Todesfälle in der Familie unter Narkoseeinwirkung bekannt sind. Ist die Krankheit durch Mutation entstanden, wird es erheblich schwieriger, hier hilft unter Umständen ein Labortest mit einer Muskelgewebeprobe bei der Erkennung der Krankheit.

Symptome behandeln, ohne die Krankheit zu kennen

Doch auch wenn eine Seltene Erkrankung im Vorfeld nicht erkannt wird, können viele Symptome behandelt werden, zum Beispiel ein erhöhter Hirndruck. Dieser lässt sich gezielt senken, unabhängig von der aktuellen Ursache. In vielen Fällen unterscheidet sich eine Narkose bei Patienten mit einer Seltenen Erkrankung nicht von einer üblichen Narkose, die mit großer Sorgfalt durchgeführt wird. Grundsätzlich müsse man bei Narkosen immer die Risiken abschätzen und so weit wie möglich reduzieren. Das gilt besonders bei Notfällen, wenn eine Anamnese nicht oder nur eingeschränkt möglich ist und die Narkose quasi „ohne Vorkenntnisse“ erfolgt.

Bei der Überwachung des Patienten helfen auch technische Innovationen: So werden mithilfe einer kleinen Elektrode auf der Stirn des Patienten laufend seine Gehirnströme gemessen und überwacht. Der Computer zeigt dem Anästhesisten dabei einen Wert zwischen 0 und 100, wobei 100 für den Wachzustand steht. Liegt dieser Wert zwischen 40 und 60, ist die Narkose optimal, bewegt sich der Wert aus diesem Bereich, könne gezielt nachdosiert werden. Das Ziel sei es, so viel wie nötig und so wenig wie möglich zu dosieren.

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